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Leute & Leben

Politik hautnah // Interview mit dem Landtagsabgeordneten Heiner Scholing

Arbeitsintensiv, anstrengend und stressig, so ist meist das Leben eines Politiker. Eine Woche lang durfte h20-Reporter Maximilian dem niedersächsischen Landtagsabgeordneten Heiner Scholing von den Grünen über die Schulter schauen - und über Lieblingsfilme, Gewissensfragen und Politik sprechen.

 
 
h20: War es schon immer dein Traum, Politiker zu werden?
Heiner Scholing : Nein, aber ich habe mich schon sehr früh für Politik interessiert. Mein Vater war durch den Krieg immer sehr politisch und wollte, dass ich das auch werde. Deshalb habe ich auch schon sehr früh angefangen, den SPIEGEL zu lesen.
h20: Wie sieht dein normaler Tagesablauf aus?
Heiner Scholing : Ich habe keinen normalen Tagesablauf. Jeder Tag sieht, bis auf ein paar feste Punkte wie z.B. die Fraktionssitzung oder die Ausschüsse, immer anders aus. Ich habe sehr viele Termine.
h20: Warum hat man als Politiker eigentlich so viele Termine?
Heiner Scholing : Das ist unser Geschäft. Wir müssen ins Gespräch kommen, um herauszufinden, wo der Schuh drückt.
h20: Wie verhältst du dich bei Terminüberschneidungen?
Heiner Scholing : Die habe ich sehr oft. Wenn sich Termine überschneiden, dann ist es eben so, und ein Termin fällt aus.
h20: Vor zwei Jahren hast du noch im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mitgearbeitet. Jetzt bist du Vorsitzender des Kultusausschusses. Konntest du dir das selber aussuchen oder wurdest du von der Partei für den Posten bestimmt?
Heiner Scholing : Ich wurde gefragt und habe gleich die Chance genutzt, weil es meine Möglichkeiten erhöht, in der Schulpolitik Einfluss zu nehmen.
h20: Was machst du, wenn du Schwierigkeiten mit deinem Vorgesetzten hast?
Heiner Scholing : Wir sind zwar nicht immer der gleichen Meinung, aber dann diskutieren wir und stimmen ab. Ich kann mich zwar nicht immer durchsetzen, aber dies war nie tragisch für mich.
h20: Wie ist das, wenn du gegen deine Fraktion abstimmst? Es heißt ja, dass die Abgeordneten nur ihrem Gewissen unterworfen sind. Ist das in der Realität auch so?
Heiner Scholing : Das ist in der Realität so. Allerdings muss man in der Fraktion ankündigen, dass man aus Gewissensgründen nicht dafür abstimmt. Ich war noch nicht in dieser Situation.
h20: Warum hast du dich für die Grünen entschieden?
Heiner Scholing : Es gibt ein Sprichwort, dass man nur eine Welt im Gepäck hat. Und mit dieser Welt gehen wir schlecht um. Das will ich ändern und die Grünen sind da der gleichen Meinung.
h20: Gibt es eigentlich einen klassischen Werdegang, um Politiker zu werden? (Schule, Ausbildung, Studium …?) Wie bist du Politiker geworden?
Heiner Scholing : Eigentlich schon. Als erstes tritt man in die Partei ein. Dann kann man sich für den Gemeinderat bewerben. Wenn man da eine gute Arbeit gemacht hat, bei vielen Sitzungen und Versammlungen dabei war und auch mal Verantwortung für die Partei übernommen hat, kann man sich irgendwann zur Wahl aufstellen lassen. Das dauert allerdings sehr lange. Mein Werdegang war anders. Ich bin erst 2011 in den Gemeinderat gekommen, weil ich beruflich vorher gar keine Zeit hatte.
h20: Bist du mit anderen Politikern privat befreundet? Falls ja, sind sie auch aus anderen Parteien?
Heiner Scholing : In meiner Fraktion bin ich mit einigen Politikern privat befreundet. Mit manchen Leuten aus anderen Parteien verstehe ich mich ziemlich gut, aber Freundschaften haben sich da nicht gebildet.
h20: Was war dein Lieblingsfach in der Schule? Wie waren deine Noten und was hast du für einen Schulabschluss?
Heiner Scholing : // Ich habe Abitur, aber kein besonders gutes. Ich hatte einen Durchschnitt von 3,0, was daran lag, dass ich nie ein besonders fleißiger Schüler war. Dafür war ich ein fleißiger Student und Schulleiter. Meine Lieblingsfächer waren mit Abstand Deutsch, Geschichte und Politik. Und Latein mochte ich überhaupt nicht.
h20: Hast du als Jugendlicher mal bei einem Schüleraustausch mitgemacht?
Heiner Scholing : Als ich in der Schule war, konnte man leider noch kein Schüleraustausch machen. Ich beneide alle, die jetzt einen Schüleraustausch machen dürfen und rate allen, dies zu tun.
h20: Für wen oder was würdest du deinen Job sofort beenden? Was müsste passieren?
Heiner Scholing : Das ist eine schwere Frage: Wenn meine Fraktion nur noch Entscheidungen trifft, die ich absolut nicht befürworten kann, oder wenn ich mich in meinem privat schlimm verhalten würde, z.B. betrunken Auto fahren und dabei jemanden verletzen. Dann könnte ich auch kein Landtagsabgeordneter mehr sein.
h20: Was ist dein Lieblingsessen? Kannst du gut kochen?
Heiner Scholing : Spaghetti Bolognese, die mache ich auch selbst.
h20: Hast du ein Lebensmotto?
Heiner Scholing : // Ich bemühe mich, auf das Positive zu gucken. Leider klappt das nicht immer.
h20: Was hörst du für Musik? Gehst du gern auf Konzerte?
Heiner Scholing : Ich mag sehr gerne klassische Musik. Außerdem höre ich die Musik der 60er, 70er und 80er Jahre. Mein letztes Konzert ist aber schon lange her.
h20: Hast du einen Lieblingsfilm?
Heiner Scholing : Einen Lieblingsfilm habe ich nicht. Aber „Ziemlich beste Freunde“ fand ich ganz toll.
h20: // Wo machst du am liebsten Urlaub?
Heiner Scholing : Ich war die letzten zwei Male in Frankreich und finde es dort wunderschön.
h20: Wenn du eine Zeitreise machen könntest, welches Ziel und welche Zeit würdest du wählen?
Heiner Scholing : Ich glaube, ich würde in die Zukunft fahren. Ich habe aber etwas Sorge, dass es dann nicht mehr so gut aussehen wird. Wenn ich in die Vergangenheit reisen würde, wäre ich gerne in einem kleinen gallischen Dorf mit Zaubertrank.
h20: Kann man als Grüner eigentlich ganz auf ein Auto verzichten?
Heiner Scholing : Ich muss manchmal mit dem Auto fahren, weil nicht anders geht, z. B. wenn ich abends einen Termin habe und kein Zug mehr fährt. Dann müsste ich irgendwo übernachten und dass mach‘ ich nicht gerne. Ich halte das Auto aber knapp.
h20: Hast du einen unerfüllten Wunsch?
Heiner Scholing : Ich hätte sehr gerne mehr Zeit.
 

h20 // Gibt es soziale Projekte, welche du privat unterstützt?
Heiner Scholing // Ich bin in einigen Schulen im Förderverein. Außerdem unterstütze ich auch die Atomkraftgegner im Kreis Lüchow-Dannenberg.


h20 // Wieviel Urlaub bekommt man als Abgeordneter eigentlich?
Heiner Scholing // Es gibt Parlamentsferien, die sich an den Schulferien orientieren. Ich habe aber keine zwölf Wochen Urlaub, sondern nur ca. fünf.

h20 // Was hältst du von den ganzen „PEGIDA“-Demonstrationen?
Heiner Scholing // Von „PEGIDA“ halte ich absolut gar nichts!
Allerdings muss man aufpassen, weil sich diese Menschen von der Gesellschaft und den Politikern allein gelassen fühlen.


h20 // Die Zukunft liegt in den Händen der Jugendlichen. Wie kann man sie denn für Politik begeistern?
Heiner Scholing // Das ist, glaube ich, schwer. Ich gehöre zu einer Generation, die sehr politisch war. Wir waren als Schüler und Studenten sehr politisch engagiert. Das hat unser Leben geprägt. Das ist heute ein bisschen anders. Die Schule sollte großes Interesse daran haben, Schülerinnen und Schüler an Politik heranzuführen. Das ist eine schwierige Aufgabe!


h20 // Inwiefern trifft das Zitat „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau“ auf dich zu?
Heiner Scholing // Das trifft voll zu! Ich bin seit 33 Jahren verheiratet. Meine Frau ist eine wichtige Quelle meines Lebens. Außerdem unterstützt mich meine Mitarbeiterin Simone ganz doll. Ohne sie wäre echt aufgeschmissen.


h20 // Welchen Tipp kannst du Jugendlichen mit auf den Weg geben, die sich für eine Karriere als Politiker interessieren?
Heiner Scholing:
Setzt euch für eure Interessen und die Interessen anderer ein! Das ist der Grundbaustein - da fängt Politik an!

Biografisches:

Heiner Scholing ist verheiratet, lebt in Bienenbüttel, hat 2 Kinder und ist Großvater. Geboren wurde er 1953 in Dortmund. 1973 Abi in Lüneburg.
Er studierte von 1973-1978 Sozialpädagogik in Marburg. 1979 war er Lehrer an der „John F. Kennedy“ Schule in Berlin, von 1980-1983 Sonderschullehrer.
1983: Eintritt bei den Grünen.
1995-2013: Leiter der Förderschule „Am Knieberg“ in Lüneburg.
Ab Februar 2013: Mitglied des Niedersächsischen Landtages, ab Oktober 2014 schulpolitischer Sprecher der Grünen und Vorsitzender des Kultusausschusses.

 
 

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